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20. Mai 2007
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Menschlich und politisch enttäuscht
Ich habe Andi an diesen Parteitag begleitet; es ist gut 20 Jahre her, dass ich zum letzten mal einen kantonalen Parteitag der SP besucht habe. In den siebziger und vor allem in den frühen achtziger Jahren habe ich mich regelmässig auf den kantonalen Parteitagen im Aargau, in Luzern, Baselstadt, Solothurn etc. gestritten und geärgert – und doch war damals einiges anders als heute. Und zwar auf der menschlichen Ebene wie auch bei den politischen Inhalten.
Was mich am meisten beelendet hat: Wie kommt ums Himmelswillen ein zwanzigjähriger Juso im 21. Jahrhundert dazu, sich explizit bildungsfeindlich zu positionieren? Zitat: «Ich bin der einzige, der hier arbeitet! ... Ich habe nie studiert, ich bin kein Studierter!» -- Ja, das merkt man, studieren (und das hat mit Universitäten nur wenig zu tun) scheint nicht seine Stärke. Und die Parteidelegierten – keine Reaktion! Den zur Schlachtbank geführten Nationalratskandidaten und Kandidatinnen war es geboten, sich nicht zu äussern; dass aber nicht einmal ein Zwischenruf einer jungen Studentin zu hören war, lässt tief blicken. Solche Positionen oder solches Zündeln mit gegenaufklärerischen Haltungen darf eine sozialistische und demokratische Partei nicht zulassen! Wenn ein Büezer - so er denn noch in der SP zu finden ist -, der sich ein paar Jahrzehnte auf dem Bau oder in der Fabrik durchgeackert hat, äussert, er fühle sich von all diesen studierten Juristinnen und Lehrern in den Parteigremien nicht verstanden, ist das eine andere Sache (und meist sogar verständlich); aber auch den nimmt man sich zur Brust, und macht ihn darauf aufmerksam, auf welch’ gefährlichem Terrain er sich bewegt, wenn er seine Unzufriedenheit alleine gegen die sog. Studierten richtet.
Bei vielen Voten war zudem deutlich zu sehen, wie uninformiert die Sprechenden über politische Arbeit und politische Zusammenhänge auf schweizerischer und internationaler Ebene sind. Dieses Bild zu korrigieren, diese Bildungs- und Informationsarbeit zu leisten ist eine der zusätzlichen Aufgaben, die sich den eidgenössischen Räten aus der SP Zürich und der kantonalen Geschäftleitung dringend stellt. Und natürlich bleibt ihnen dazu mal wieder kaum Zeit: Der ausserordentliche Parteitag zum Thema Nominierungsprozedere findet sehr bald statt.
Schwach war auch, wie die VertreterInnen im Nationalrat für das Wahldebakel im Kanton Zürich herhalten hätten sollen. Das war unreflektiertes Herumgehacke auf nur indirekt Involvierten. Man stürzte sich eben auf die Erstbesten. Auch hier: Bestenfalls Feuerwehrübungen; kein Hochschein, vor allem seitens einiger Kantonsräte, von den Zusammenhängen gesamtschweizerischen, geschweige denn internationalen, transnationalen Politisierens. Wie sonst käme man darauf, ausgewiesene Umweltpolitikerinnen auf der Liste zurücksetzen zu wollen? Wie sonst könnte man übersehen, dass SP-Politiker aus anderen Kantonen diese Felder bereits hervorragend beackern? Aber so funktioniert Alarmismus eben: Einmal sollen alle Sozialpolitiker sein, dann plötzlich Strafrechtsexperten und wieder ein andermal müssen eben alle Umweltpolitiker sein. Und ob all dem werden die bestausgewiesenen Leute, die seit Jahren hervorragende Arbeit auf diesen Gebieten leisten, ganz einfach übersehen …
Und das von Menschen, die den Unterschied zwischen Demokratie und Demographie nicht zu kennen scheinen.
Parteiinterne Bildungsarbeit tut Not!!
Fredi Krebs
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