19. Feb. 2010



Basler Zeitung

Die Schweiz als skurrile Insel


Von Erika Burri. Über die Schweiz wird im Ausland viel geredet. Nun auch in Österreich. Eine Doppelseite in der Tageszeitung Kurier zeigt, was man dort über uns denkt.

Was man gestern in der österreichischen Tageszeitung Kurier lesen konnte, tut jeder Schweizer Seele weh: «Das Strahlemann-Image ist verblasst, die Eidgenossen kämpfen mit einem grauslichen Bukett von Problemen», die Schweiz als skurrile Insel, die zunehmend internationaler Kritik ausgesetzt ist. Die Österreicher halten uns den Spiegel vor. Und das Spiegelbild ist kein schönes. Es zeigt eine gespaltene Schweiz; eine Schweiz, die vorgibt, offen zu sein und trotzdem das Fremde ablehnt. Besonders laut, so schreibt der Kurrier, sei es um die Schweiz nach der Anti-Minarett-Abstimmung geworden. «Der von der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) pervertierte Kantönligeist war offen in Islamfeindlichkeit umgeschlagen.»

Die Schweizer, die Egoisten

Die Munition, mit der das Schweizer Schoggi-Image im Ausland abgeschossen wird, liefern die Schweizer selber: Die Minarett-Abstimmung war ein «Supergau», wird der SP-Nationalrat Andreas Gross zitiert, «ein Ausdruck einer tiefen Identitätskrise».

(Wichtig: AG sagte nie, dass die Abstimmung ein Supergau gewesen sei - das wäre undemokratisch; er sagte, dass die Medienleistung im Vorfeld der Minarett-Initiave ein Supergau war. – Und das ist eine komplett andere Aussage! - fk).
Der Politologe und Historiker erklärt den Österreichern nochmals, wie die Schweiz sich von einer weltoffenen, engagierten Gesellschaft im 19. Jahrhundert, nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Land wandelte, das «ein bequemes Nischendasein führte». Daraus folgte eine isolationistische Politik, die mit Egoismus einhergeht und die Interessen der Nachbarstaaten kaum mehr berücksichtigt. Beispiel dafür, so Gross, sei das Bankgeheimnis, weswegen die Schweiz nun «auf der Intensivstation liegt».

Dem Kurier ist auch nicht entgangen, dass die SVP gegen die Deutschen in der Schweiz mobilmacht. Und wertet das als unterschwellige Angst der Schweizer vor Überfremdung. Ausserdem habe die Libyen-Krise die Eidgenossen gedemütigt. Die Krise sei aber noch nicht ausgestanden, sondern spitze sich im Moment zu. Libyen verweigere wegen den Differenzen mit der Schweiz nun allen EU-Bürgern (ausser den Briten) Visa. Die Schweiz nehme sozusagen die ganze Europäische Union, also auch die Österreicher, als Geisel.

Im Artikel sucht man vergeblich nach etwas Positivem. Und auch das Fazit des Texts ist nicht aufbauend: Die Schweiz braucht eine Demokratiereform. So jedenfalls wird der SP-Nationalrat weiter zitiert. Gross fordert, dass das Parlament gestärkt und die Regierung vergrössert wird. Mit seiner Forderung lief Gross bisher im Parlament auf. …


Kontakt mit Andreas Gross



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