06.04.2009

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Jörg Fischer: «Ich empfehle, die bürgerliche Mehrheit im Bundeshaus als das zur Kenntnis zu nehmen, was sie in Wirklichkeit ist: das politische Dienstpersonal des Schweizer Bankenestablishments»



Andi Gross ist erschüttert, feststellen zu müssen, dass die bürgerliche Mehrheit im Bundeshaus nicht einmal nach einer Katastrophe zu lernen bereit scheint, sondern glaubt, auch weltverlassen weiter den Egotrip verfechten zu können. (am 06. April um 14:37).


Christof Moser am 06. April um 14:59
aber frau mauch als wichtigste vertreterin der bankenstadt zürich redet klartext: http://www.blick.ch/news/schweiz/zuerich/dieses-geld-haben-wir-nicht-noetig-116142


Rose Zschokke am 06. April um 15:00
Hast Du wirklich an eine Einsicht dieser Holzköpfe geglaubt? Dann bist Du aber nicht viel besser ... Sorry


Andi Gross am 06. April um 16:10
Liebe Rose. Auf Einsichten darf und muss man immer hoffen. Sonst hat die Demokratie keine Chance und die Alternativen zu ihr wären noch schlimmer. Da würde ich nicht zu schnell mit Holz um mich werfen, weil es könnte uns schneller und härter treffen als uns lieb ist. -- Vor und ohne Katastrophen klüger zu werden ist tatsächlich anspruchsvoll, bisher haben die meisten wenigstens nach Katastrophen gelernt. -- Wenigstens dies auch bei uns zu verwirklichen ist offenbar immer noch unsere Aufgabe, die wir durchaus ernst nehmen sollten. -- Dass die linke Präsidentin der linken Stadt dies gemerkt hat, lieber Christof, ist eigentlich logisch. Aber ich habe es hier im Bundeshaus mit der rechten Mehrheit des ganzen Landes zu tun, die immer noch glaubt, über uns und unsere Überlegungen einfach hinweg gehen zu können!


Rose Zschokke am 06. April um 16:48
Ein bisschen hast Du ja recht, lieber Andi! Aber dass die SVP anfängt zu denken würde mich ja schon sehr wundern. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!


Andi Gross am 06. April um 16:50
Vielen Dank, Rose. Und es geht doch nicht nur um die SVP, sondern die Mehrheit der Bürgerlichen haben immer noch die FDP und die CVP und die haben noch viel schlimmer argumentiert als die SVP, weil von ihnen etwas anderes zu erwarten wäre und weil ihnen ja so viele MitbürgerInnen immer noch so viel anvertrauen ...


Jörg Fischer am 06. April um 16:51
Ich empfehle, «die bürgerliche Mehrheit im Bundeshaus» als das zur Kenntnis zu nehmen, was sie in Wirklichkeit ist: das politische Dienstpersonal des Schweizer Bankenestablishments. Wenn sich dieses im Wirtschaftskriegszustand befindet, hat jenes Achtungsstellung anzunehmen.


Carlo Sommarugaam 06. April um 18:04
oui, il est même tragique de voir comment les bourgeois suisses sont coincés dans leur immuable certitude d'avoir seul raison face au monde et crient à l'injustice: c'est un peu comme si sur une plage il se plaignent que certains ont une chaise longue plus confortable alors qu'un tsunami est annoncé et est sur le point de déferler!


Florian Schmid am 06. April um 21:51
Vielen Schweizerinnen und Schweizer fehlt die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Es ist viel einfacher, von eigenen Fehlern abzulenken, statt über die eigenen Fehler nach zu denken und daraus Konsequenzen zu ziehen!


Andi Gross am 06. April um 22:02
Wie können wir nur dazu beitragen, dass sich dies ändert?


Florian Schmid am 06. April um 22:21
Ich glaube im Moment nicht viel. Es braucht einen Lernprozess, der möglicherweise sehr schmerzhaft sein wird. Unsere Nachbarn waren 1945 bzw. 1989 gezwungen alles in Frage zu stellen und einen Neuanfang zu wagen. Uns fehlt diese Erfahrung. Die Parlamentsmehrheit wiederspiegelt in diesem Fall nicht einmal schlecht die Gesellschaft!


Jörg Fischer am 06. April um 22:43
«Uns» fehlt diese Erfahrung ... Wie können «wir» dazu beitragen ... «vielen Schweizern fehlt die Fähigkeit» ... – bei aller Sympathie für die potentielle Gestaltungskraft demokratischer Institutionen: Glaubt ihr im Ernst, handelnde Subjekte in der aktuellen Theateraufführung zu sein?!


Andi Gross am 06. April um 22:49
Potentielle handelnde Subjekte sind wir auf jeden Fall. Auch bin ich mir sicher, dass wir mehr erleben als bloss eine Theatervorstellung. Die grosse Frage ist aber, ob wir am richtigen Ort handeln und/oder es in angemessener Weise tun. Und wenn die schweizerischen demokratischen Institutionen - wozu hierzulande immerhin auch BürgerInnen-Mehrheiten gehören – nicht gestalten können, wer dann und mit welcher Legitimität und mit wessen Legitimation? Und die Freiheit wäre dann tatsächlich nur noch die Freiheit von wenigen Privilegierten!


Jörg Fischer am 06. April um 23:05
Mir musst Du die Errungenschaften der bürgerlichen Demokratie nicht erklären. Um das geht es nicht. Worauf ich hinaus will: wo deren Grenzen sind. Und wenn Du «BürgerInnen-Mehrheiten» zu «demokratischen Institutionen» hochschraubst, gibst Du einen schönen Teil der Antwort schon selbst: sie ist blanke Idylle. Aber, sorry, ich wollte gar nicht so negativ werden. Nur regt mich dieser positivistische Schönsprech halt einfach immer von Neum auf.


Andi Gross am 06. April um 23:16
Weder Idylle noch Schünsprech, denk ich. Da nimmst Du Dich zu schnell raus. Mehrheiten könnten tatsächlich einiges - die Frage ist allerdings, ob und wie sie zustandekommen. Und positivistisch ist dies m.E. auch nicht; es zeigt nur unsere Schwächen, deren grösste ist, dass wir uns nicht mal über deren Gründe und Ursachen einig sind, geschweige denn darüber, was wo wie besser angegangen werden könnte. Unter solchen unserem Umständen wird alles noch sehr dauern ...


Jörg Fischer am 07. April um 09:30
Ich will mich nicht rausnehmen. Und: Die von Dir konstatierte grösste Schwäche, ja, da hast Du Recht!


Florian Schmid am 07. April um 10:52
Die Unfähigkeit zur Selbstreflexion zeigt sich übrigens ganz deutlich, Prof. Thielmann einen Maulkorb zu verpassen. Offensichtlich haben viele Mühe mit verschiedenen Meinungen umzugehen. Im Gegensatz zu Deutschland bemühen sich die Lehrpersonen an Schweizer Schulen nicht, den Lernenden kritisches Selbstdenken beizubringen. Gut ist jener, der sich anpasst und nicht jener, der einen kreativen Ansatz bringt.

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