11. Mai 2007

Originaltext

3 Fragen zweier Studierender der Kunstgewerbeschule im Zusammenhang
mit der Documenta


1. Ist die Moderne unsere Antike?

Aus meiner Sicht: Nein. Die Moderne ist immer noch ein Versprechen. Ein uneingelöstes. Nicht vergangenen wie die Antike. Immer noch einen Überschuss an möglichen anderen Zukünften enthaltend. Die jedoch nicht zu realisieren sind ohne Lehren aus den vergangenen und im Gange sich befindenden Irrtümern.

Inwiefern die Postmoderne die Moderne wirklich aufhob, darüber müssten wir nachdenken und diskutieren. Gewiss lernten wir viel dazu, mussten es, angesichts von Katastrophen, sind uns weniger sicher, aber auch umsichtiger geworden.

Aber nicht alles kann einfach gehen, nicht alles kann einfach hingenommen oder durchgewinkt werden. Ansprüche gilt es immer noch zu erheben. Auch wenn bezüglich deren Verwirklichung mehr Demut angebracht ist und Umsicht und Vorsicht. Aber der Anspruch gilt. Und das Bemühen, ihm zu entsprechen. Nicht nur hier. Und nicht nur für uns.

Oder ist der Anspruch, dass Freiheit nicht zum Privileg Privilegierter verkommen darf etwa nicht mehr modern oder deswegen schon outdated? Cool ja, aber nicht unterkühlt.

2. Was ist das blosse Leben?

Der Verzicht auf Ansprüche, auf Qualität. Existenz pur. Eine Antiutopie. Regression. Der Mensch als Sklave seines Seins. Trostlos.

3. Was tun?

Nicht aufgeben. Nicht vereinsamen. Alleine lässt sich verzweifeln, gemeinsam hätten wir die Chance, auszuloten, was wir besser tun könnten. Wie der Zweifel fruchtbar gemacht werden kann. Wie wir gemeinsam handeln können, ohne uns zu verlieren; wie wir uns bleiben und doch ein Teil eines Grösseren werden können, in dem wir uns wieder finden und von dem wir uns nicht abwenden müssen. Zuwendungen sind gefragt. Echte. Wirkliche. Somit auch politische. Politisch im Sinne des Aufgehoben-, nicht des Verlorenseins.

Die grösste Schwierigkeit? Zu lernen, ohne Katastrophen zu lernen. Das ist der Moderne bisher versagt geblieben. Die Postmoderne hat es gar nicht erst versucht.


Kontakt mit Andreas Gross



Nach oben

Zurück zur Artikelübersicht