03.01.2003

Schaffhauser
Nachrichten
Rubrik: Region

«Nur solange der andere noch anders ist»

(MB.) Presseverein: Silvesterhock. Nationalrat Andreas Gross sprach über die Konzentration der Medien.

Der Schwund der Tageszeitungen und damit der Redaktionen und Mitarbeiterzahlen weckt offensichtlich auch auf regionaler Ebene grosses Interesse. Zumal Vereinspräsident und SN-Bundeshausredaktor Beni Gafner mit Nationalrat Andreas Gross einen Referenten begrüssen konnte, der sich in letzter Zeit als Mitglied der Staatswirtschaftlichen Kommission des Nationalrates intensiv mit der Pressekonzentration befasst und am Kommissionsbericht «Medien und Demokratie» mitwirkte.

Zunächst stellte Gross fest, dass sich direkte Demokratie und Zeitungen gegenseitig bedingen. Radio und Fernsehen, letzteres besonders, könnten die politische Tageszeitung niemals ersetzen. Gross erinnerte an die noch gar nicht so lange zurückliegende Zeit, als in Orten mit 10 000 Einwohnern noch bis zu drei Tageszeitungen erschienen und die NZZ täglich drei Ausgaben produzierte. Der Verlust an gedruckter Meinungsvielfalt verhindere einerseits die Kontrolle der politischen Macht und führe andrerseits zur Machtkonzentration in den grossen Verlagshäusern und damit zum Einheitsbrei. «Man ist nur jemand, wenn der andere anders ist», zitierte Gross.

Erst jetzt habe die Politik erkannt, dass auch der Staat in der freien Wirtschaft mitmischen müsse, wenn unser bewährtes, direktdemokratisches System erhalten bleiben solle. Zwar förderte der Bund über die Verbilligung der Postgebühren die gedruckten Medien bereits bisher mit 100 Millionen Franken, doch habe dieses Geld die gewünschte Wirkung verfehlt, weil hauptsächlich nicht abonnierte Zeitungen wie die von Coop, Migros und Betty Bossi davon profitierten. In Zukunft sollen die 100 Millionen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene nur noch an Abonnementszeitungen fliessen. Gross appellierte an die Medienleute, sich für den neuen Verfassungsartikel einzusetzen.

In der rege geführten Diskussion wandte sich Verleger Max Rapold gegen den Monopolbegriff, wie ihn Gross verwendet hatte. Die Zukunft liege sowohl in der Vielfalt wie in der Zusammenarbeit der verschiedenen Medien. Mit Geld, auch mit Bundesgeld, könne man Ideen nicht ersetzen. Im übrigen sei der Kanton Schaffhausen mit seinen noch fünf abonnierten Blättern heute das zeitungsreichste Gebiet der Schweiz.

Andreas Gross

 

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