22.03.2002

St.Galler Tagblatt
Appenzeller Zeitung
Appenzellerland

Reif für die Insel

Dritte Ausgabe der Themenwoche «Utopia» an der Kantonsschule.

Vergangene Woche fand an der Kantonsschule Trogen im Rahmen einer sogenannten Themenwoche eine bereits zur Tradition gewordene Auseinandersetzung mit einem wichtigen Aspekt der abendländischen Philosphie statt: dem utopischen Denken von der Antike bis zur Moderne.


(c) M.Suter

Mit Interesse verfolgen Marianne Kleiner (FDP) und Köbi Frei (SVP) das Referat von Andreas Gross (Foto M.Suter).

Latein- und Philosophielehrer Ivo Müller führte am Montagmorgen die rund 80 Schülerinnen und Schüler der Maturaklassen gemeinsam in die abendländische Denktradition ein, welche sich von Thomas Morus' «Utopia» über die Philosophen der Aufklärung bis zu Ernst Bloch spannt. Immer wieder, am Anfang mit Vorliebe auf fernen Inseln, haben Denker versucht, ideale Welten und Gesellschaften zu entwerfen. Der anschliessende Stummfilm «Metropolis» (Fritz Lang, 1927) zeigte dann auf beklemmende Weise bereits das Kippen dieser Denkschule in die Gattung der negativen Utopie, welche für das 20. Jahrhundert typisch geworden ist.

Gruppe statt Klassen

Am Montagnachmittag wurde die Arbeit dann in kleinen Gruppen weitergeführt, welche sich an den folgenden Tagen mit Themen wie «Entwicklung eigener Utopien für die Schweiz», «Die Eisenbahnersiedlung im Schoren»«Utopische Lebensgemeinschaften im 19. und 20. Jahrhundert», sowie dem philosphischen Gehalt von Thomas Morus' «Utopia» und von Karl Marx' «Kommunistischem Manifest» befassten. Eine weitere Gruppe verfasste Texte zu einer «Cyberville», welche auf der Homepage der Kantonsschule zugänglich sind, zwei Modelle einer idealen Stadt wurden gebastelt und der Film «The Beach» (mit Leonardo di Caprio) auf seine utopischen Elemente hin untersucht.

Erweitertes Podium

Die Woche schloss am Freitag mit einem von Englischlehrer Hans Fässler moderierten Podium zum Thema «Utopien in der Politik». Bereits zum dritten Mal waren Andreas Gross (SP-Nationalrat und Politikwissenschafter aus Zürich, Vizepräsident des Europarates) und Marianne Kleiner (Finanzdirektorin AR, Vizepräsidentin der FDP Schweiz) an der Kantonsschule zu Gast. Neu war Köbi Frei (SVP-Kantonsrat und Fraktionschef aus Heiden) mit von der Partie, welcher das bisherige politische Spektrum erweiterte und zusammen mit den Fragen aus dem Publikum zu einer lebendigen Diskussion beitrug. Die Themenpalette reichte von der «GSoA-Initiative», der UNO-Abstimmung, dem Kanton Jura bis hin zum Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative und der Diskussion über die Baupläne von Rennfahrer Michael Schuhmacher in Wolfhalden. Mit einer Diskussion zwischen dem Podium und interessierten Schülerinnen und Schülern in kleineren Kreis ging eine intellektuell anregende Woche zu Ende.

Andreas Gross

 

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